|
|
 |
|
Der 20. Juli 1944, die Bundesrepublik, die Bundeswehr
 |
Seitdem es Bundeswehr in Berlin gibt, bemühte sie sich um Teilnahme an der offiziellen Veranstaltung der Bundesregierung zum 20. Juli in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Seit 1991 marschiert eine Kompanie des Wachbataillons in der Gedenkstätte auf. Seit 1999 führt die Bundeswehr in räumlicher und zeitlicher Nähe dazu ein Rekrutengelöbnis durch, nicht öffentlich, sondern als Veranstaltung für geladene Gäste auf den Liegenschaften des BMVg statt. Die Wahl von Ort und Zeit, die Übertragung in den Medien und die Einladung ausländischer PolitikerInnen als RednerInnen werten es zum zentralen Gelöbnis jedes Jahres auf. Die Bundeswehr stellt sich ausdrücklich in die Tradition der Attentäter des 20. Juli 1944 . Es geht dabei um geistige Nähe, um Widerstandsikonen, die traditions- und identitätsstiftend wirken sollen.
Als Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär setzen wir einen Kontrapunkt zu dieser Veranstaltung nicht nur durch inhaltliche Auseinandersetzung mit dem 20. Juli, sondern auch durch die Beschäftigung mit dem Widerstand von Wehrmachtsdeserteuren und Kriegsdienstverweigerern, von Wehrkraftzersetzern und "Kriegsverrätern". Mehr zu unserer Ehrung für den antimilitaristischen Widerstand am 20. Juli 2006 |
 |
| Foto: André Reß
|
|
Eine Auseinandersetzung mit Gedenken und Gedenkpolitik im Zusammenhang mit dem 20. Juli 1944 wurde bei der Arbeitsstelle Frieden und Abrüstung als Positionspapier veröffentlicht. Wir verweisen auf diese Argumentation:
|
Download (133 KB) |
Die Position der Kampagne in Kürze - eine Erklärung zum 20. Juli 2000:
|
Gefolgschaft oder Widerstand? (24,3 KB) |
|
Wer darüber hinaus nach Tatsachen sucht, die unsere Kritik am ausschließlichen Bezug auf die "Männer des 20. Juli" unterlegen, dem empfehlen wir eine Auseinandersetzungen mit den Biographien der Mitverschwörer. Exemplarisch für andere steht dabei Henning von Tresckow, der zudem von der Bundeswehr in besonderer Weise geehrt wird. Seinen Namen tragen zwei Kasernen, darunter die des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Geltow bei Potsdam, quasi der Generalstab der Bundeswehr.
Um die Bedeutung des Umsturzversuchs als historisches Ereignis einzuordnen, ist auch der Blick auf wichtige Einzelereignisse der Geschichte des NS-Staats sinnvoll. Dabei wird nicht nur die maßgebliche Beteiligung von Militärs an der Vorbereitung des Angriffskriegs erkennbar, sondern auch, dass über den verbrecherischen Charakter des Regimes von Anfang an Klarheit bestand.
Ausgewählte Biographien
Zeittafel
Literaturauswahl |
Der Militärhistoriker Manfred Messerschmidt schreibt in einer Arbeit über die Motive der militärischen Verschwörer: „Die hier behandelten Verhaltensweisen von oppositionellen Offizieren zeigen ein individuell unterschiedliches Gefüge von Motiven. Ganz abgesehen von ihrer Einstellung zum Attentatsvorhaben, lassen sich sowohl ideologische Übereinstimmung mit dem nationalsozialistischen Feindbild bei einigen, Kooperation bei der völkerrechtswidrigen Kriegführung bei anderen wie auch Antisemitismus, Passivität und schließlich Desavouierung des Widerstandes überhaupt ausmachen. Hervorzuheben ist die Entschlossenheit zum Handeln – auch um weitere Opfer zu vermeiden – beim Kern der Opposition, wo Offiziere agierten, die sich erst noch von dem Hochgefühl nach dem Sieg im Westen freizumachen hatten.“ Manfred Messerschmidt, Motive der militärischen Verschwörer gegen Hitler. In: Gerd R. Ueberschär, NS-Verbrechen und der militärische Widerstand gegen Hitler. Darmstadt 2000, S. 115
Weitere Stimmen zur militärischen Opposition gegen Hitler |
|
|