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Ehrung für Deserteure, Kriegsdienstverweigerer und Kriegsverräter
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Franz v. Hammerstein und Ludwig Baumann. Foto: Kappa-Photo
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Ehrung der Deserteure, Kriegsdienstverweigerer und Kriegsverräter
Am 20. Juli 2006 hat die Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär Menschen geehrt, die sich konsequent gegen den Vernichtungskrieg der Wehrmacht wandten.
Gedenkreden hielten: Franz von Hammerstein, überlebender Angehöriger einer Widerstandsfamilie und Mitgründer von Aktion Sühnezeichen Ludwig Baumann, Wehrmachtsdeserteur und Vorsitzender der Bundesvereinigung Opfer der Militärjustiz
Unsere Ehrung gilt Menschen, die sich der Teilnahme an Verbrechen entzogen und sich dem Morden widersetzt haben. Wege dazu waren: Desertion, Kriegsdienstverweigerung, "Wehrkraftzersetzung" und der so genannte Kriegsverrat. "Kriegsverrat" begingen Menschen beispielsweise, indem sie Angriffspläne an die Alliierten weitergaben oder versuchten, internationale Organisationen über die Verbrechen in den besetzten Staaten zu informieren. Andere unterstützten Partisanen oder Widerstandsgruppen, liefen über oder halfen Juden und Jüdinnen, sich zu retten. Als "Wehrkraftzersetzer" verfolgt wurden Menschen, selbst wenn sie lediglich kritische Bemerkungen gemacht oder in Gesprächen Zweifel am "Endsieg" geäußert hatten. Die Wirksamkeit des Ungehorsams gegen Militär und Krieg erkannte auch der NS-Staat - daher der besondere Terror der NS-Militärjustiz: Ein eigens eingerichtetes Reichskriegsgericht verhängte mehrere zehntausend Urteile gegen "Wehrkraftzersetzer", Deserteure und Kriegsdienstverweigerer, vorsichtig geschätzt 18.000 bis 22.000 Todesurteile wurden vollstreckt.
Wie Wehrmachtsdeserteuren wurde auch Kriegsverrätern nach dem Ende des 2. Weltkriegs von vielen Deutschen Verrat und Feigheit vorgeworfen. Während die Deserteure nach langem Kampf 2002 juristisch rehabilitiert wurden, gelten Kriegsverräter nach deutschem Recht weiterhin als Straftäter, und das, obwohl sie praktisch immer aus einer moralisch-ethischen und politischen Motivation handelten, aus der Einsicht, dass Deutschland "den Krieg nicht gewinnen konnte und ihn nach all den Verbrechen auch nicht gewinnen durfte, daß also Vernunft und Moral geboten, ihn schnellstens zu beenden", wie Eckhart Spoo schreibt.
Am 20. Juli 1944 scheiterte der Putschversuch gegen Hitler, den hohe Militärs unternahmen, sie im NS-Staat über Macht und Zugang zu Informationen verfügten. Bundesregierung und Bundeswehr begehen diesen Tag mit einer Gedenkfeier und einem "feierlichen Gelöbnis" der Bundeswehr. In der offiziellen Gedenkpolitik hat der bedeutende Widerstand von Menschen, die sich, anders als die "Männer des 20. Juli", im NS-Staat abseits hielten und nicht in Krieg und Militär Karriere machten, wenig Platz. Doch ihr Beispiel zeigt, dass auch vermeintlich Machtlose fähig waren, sich dem Vernichtungskrieg zu entziehen, die Wehrmacht zu schwächen und Menschenleben zu retten.
© Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär |
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