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Gelöbnisse und andere Rituale
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Kritik an Militärritualen
Militärrituale, wie Gelöbnisse und Zapfenstreiche, finden vielfach im öffentlichen Raum statt, wo sie die Rolle des Militärs in der Gesellschaft demonstrieren und festigen sollen. Sie begleiten repräsentative staatliche Anlässe, wie zum Beispiel den Besuch von Staatsgästen mit "militärischen Ehren" oder die Verabschiedung staatlicher Repräsentanten aus dem Amt mit einem Zapfenstreich. Militärrituale haben den Zweck, profane Übergangssituation quasireligiös zu überhöhen, wie z.B. die "Verwandlung" des Bundespräsidenten in eine Privatperson bei einem Zapfenstreich zu seiner Verabschiedung oder die Transformation des Rekruten zum Soldaten beim Gelöbnis. Militärrituale sind in ihrem Anspruch, dem Militär durch öffentliche Präsenz Normalität zu verleihen und umgekehrt die Öffentlichkeit zu Zeugen der angeblichen Bedeutsamkeit des Militärs werden zu lassen, Gegenstand antimilitaristischer Kritik. Wo das Militär öffentlichen Raum und öffentliche Zeit(räume) besetzt, ist das gleichbedeutend mit einer Enteignung der Öffentlichkeit vom Zugang zu diesen Räumen, sei es schlicht durch die massive personelle Präsenz von Militärs und geladenen Gästen, sei es indem die Behörden spezielle "Sondernutzungsbereiche" einrichten.
Unsere Kritik hat sich in den letzten Jahren auf Gelöbnisse und Zapfenstreiche konzentriert. Anlässlich des Großen Zapfenstreichs vom 26. Oktober 2005, der zum 50. Gründungstag der Bundeswehr in Berlin veranstaltet wurde, haben wir uns mit der Aktualität von Militärritualen auseinandergesetzt. Eine Kritik, diese Rituale seien "archaisch" oder "veraltet", greift zu kurz. Wie der Inhalt, so die Form. |
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| GelöbNIX-Proteste 1996
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Bundeswehrgelöbnisse in Berlin
Seit 1996
bemühte sich die Bundeswehr, sich den öffentlichen Raum von
Berlin-Hauptstadt auf dem Weg von Rekrutengelöbnissen anzueignen. Was
auf dem Dorfplatz von Posemuckel möglich ist, sollte auch in der
neudeutschen Hauptstadt zur Regel werden: die ungestörte öffentliche
Selbstfeier des Militärs und öffentlich beklatschtes Einschwören auf
den Waffendienst. Dieses Unterfangen ist gescheitert. Während
die ersten Berliner Gelöbnisse zumindest theoretisch öffentlich waren,
hat sich die Bundeswehr seit 1999 auf einen Antreteplatz am
Bendlerblock, d.h. auf den Liegenschaften des
Verteidigungsministeriums, zurückgezogen. Zutritt haben geladene Gäste,
Straßen im Umfeld werden abgesperrt, die Öffentlichkeit nimmt lediglich
die medial gefilterte Botschaft zur Kenntnis. |
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| Foto: Hans-Peter Stiebing
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Im Vorfeld der Gelöbnisse gelangen satirische Aktionen, mit denen der Charakter des militärischen Rituals bloßgestellt wurde, wie ein von der Kampagne inszeniertes Schafsgelöbnis, bei dem der Kabarettist Arnulf Rating eine bewegende Rede hielt. Schafe und Schafjäger blickten der Osterweiterung der Weidefläche in kollektiver Verantwortung entgegen. Vor der Übernahme von "Regierungsverantwortung" im Jahr 1999 solidarisierten sich grüne PolitikerInnen mit den Protesten. So fand Jürgen Trittin am 10. Juni 1998 starke Worte, an die wir uns und ganz besonders die Grünen gern erinnern. |
Inhaltliche Arbeit
Wir haben uns besonders damit auseinandergesetzt, wie die Bundeswehr mit den Gelöbnissen am 20. Juli
über den so genannten nationalen oder militärischen Widerstand bzw. den
"Aufstand des Gewissens" einen Traditionsbezug zur Wehrmacht herstellt.
2001 fragten wir so: Gefolgschaft oder Widerstand?
Gelöbnisse, so überflüssig sie juristisch sind und so anachronistisch
sie scheinen, haben durchaus politische Bedeutung, zu der
"Traditionspflege" gehört, aber noch mehr. Gelöbnisse sollen
suggerieren, dass Militär etwas Normales sei, sind Teil der
militärischen Sozialisation von Männern und sollen die militärgestützte
Außenpolitik gegenüber den BürgerInnen legitimieren. Auch offziell wird
Gelöbnissen eine wichtige Funktion zugemessen. Erhellend sind auch die Beschäftigung mit der Geschichte der Rekrutengelöbnisse und die Frage nach der Initiation von Männern durch das Gelöbnis.
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Neuorientierung
Unsere Argumente gegen Gelöbnisse wurden jedoch in den vergangenen Jahren zunehmend weniger gehört. Vor allem die Medien interessierten sich immer weniger für die Inhalte unserer Kritik, sondern hauptsächlich dafür, ob Störungen gelangen und wie groß oder laut die Demo war. So entstand der Eindruck eines alljährlich wiederholten Rituals. Dem haben wir 2006 bewusst ein Ende gesetzt. Diese Entscheidung hat zumindest einen Teil der Presse zum Nachdenken gebracht. So schrieb die taz: "An der Stelle die Proteste abzusagen hat Charme. Sollen die Fernsehleute ihre Kameras auf die starren Soldaten richten und hoffen, dass deren unbewegliche Gesichter eine Story hergeben, die den skandalsüchtigen Fernsehzuschauer verwöhnt. Protestformen sind vom Mainstream und den Medien vereinnahmt. Sie werten die Geschehen auf, gegen die sie protestieren. Sich zu besinnen und sie abzusagen, ist deshalb mehr als charmant: Es ist weise." Zum ganzen Kommentar. Weitere Pressestimmen. Zu Recht schrieb Waltraud Schwab (taz) aber auch: "Denn Gründe, zu protestieren, gibt es (...) genug." Dazu gehören vor allem die Auslandseinsätze der Bundeswehr, beispielsweise dem Bundeswehreinsatz im Kongo. Die Arbeitsstelle Frieden und Abrüstung veröffentlichte dazu ein lesenswertes Positionspapier . Weiterhin dringend erforderlich ist eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem 20. Juli und der Gedenkpolitik überhaupt. |
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