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Funktionen von Gelöbnissen aus offizieller Sicht

Soldatengesetz § 9 Eid und feierliches Gelöbnis.

(1) Berufssoldaten und Soldaten auf Zeit haben folgenden Diensteid zu leisten:
„Ich schwöre, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen, so wahr mir Gott helfe.“ Der Eid kann auch ohne die Worte „so wahr mir Gott helfe“ geleistet werden. Gestattet ein Bundesgesetz den Mitgliedern einer Religionsgesellschaft, an Stelle der Worte „ich schwöre“ andere Beteuerungsformeln zu gebrauchen, so kann das Mitglied einer solchen Religionsgesellschaft diese Beteuerungsformel sprechen.
(2) Soldaten, die auf Grund der Wehrpflicht Wehrdienst leisten, bekennen sich zu ihren Pflichten durch das folgende feierliche Gelöbnis: „Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.“


Warum die Bundeswehr Gelöbnisse veranstaltet, erklärt sie im folgenden selbst (Hervorhebungen im Original):

„Die Ableistung des Eides/feierliches Gelöbnis als solche begründet keine neue Verpflichtungen, sondern ist ein in Zeremoniell eingebundenes Bekenntnis zur Grundpflicht von Soldaten. Die Pflicht, `der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen´, ergibt sich aus § 7 Soldatengesetz. Somit ist der Eid-/Gelöbnisbruch auch kein Straftatbestand!

Worin liegt nun die Bedeutung von Eid und Gelöbnis für die jungen Soldaten der Bundeswehr, und vor allem: Warum hält die Bundeswehr weiterhin feierliche Gelöbnisse auch in der Öffentlichkeit ab? (...)

Die Bundeswehr misst dem Treuebekenntnis der jungen Soldaten fünf Hauptfunktionen zu:

Die Soldaten der Bundeswehr leiten ihren Auftrag aus dem Willen des Volkes her. In der Öffentlichkeit - sozusagen vor ihrem Auftraggeber - bekennen sie sich zur Treue gegenüber unserer Werteordnung, die auf dem Grundgesetz und den einfachen Gesetzen in der jeweils gültigen Fassung beruht. Die anwesenden Bürger üben stellvertretend für das deutsche Volk eine gesellschaftliche Kontrolle aus (Kontrollfunktion).

Die jungen Rekruten leisten ihr Gelöbnis vor Kameraden des Standortes ab. Ganz bewußt werden sie in die soldatische Gemeinschaft aufgenommen (Integrationsfunktion).

Das öffentliche Gelöbnis ist eine würdevolle Veranstaltung und nur mit einem schlichten militärischen Zeremoniell verbunden. Die Symbolkraft hoheitlicher Elemente (z. B. Eides- u. Gelöbnisformel, Feststellung des Kommandeurs, Truppenfahne, Nationalhymne) soll die Soldaten auch emotional an ihre soldatischen Pflichten binden (Sicherungsfunktion).

Bereits wenige Wochen nach Beginn der Grundausbildung bekunden die Soldaten öffentlich ihre Bereitschaft zur Erfüllung der soldatischen Pflichten; damit geht auch eine erzieherische Wirkung einher (Bewußtmachungsfunktion).

Die religiöse Beteuerungsformel - die den jungen Soldaten freigestellt ist auszusprechen - stellt für Angehörige einer christlichen Religion und entsprechend auch für Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften eine zusätzliche Bindungsbekräftigung dar (ethisch-religiöse Funktion).“

Quelle: Thomas Flink, Notwendiger Rückhalt. Eid und feierliches Gelöbnis, Information für die Truppe 3/98, S. 16-19.