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Das "Zeremoniell" des Zapfenstreichs

Militärs betrachten den "Großen Zapfenstreich" als das herausragende militärische Zeremoniell deutscher Armeen und der Militärmusik. Der Große Zapfenstreich ist vielseitig einsetzbar: Die Aufführung ist, laut Zentraler Dienstvorschrift (ZDv 10/8), zu protokollarischen und besonderen militärischen Anlässen erlaubt, und davon gibt es viele, von der Verabschiedung hoher Militärs und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in den Ruhestand bis hin zu militärischen Jubiläumsfeiern. Zum Beispiel wurden bisher fast alle Präsidenten der Bundesrepublik mit einem großen Zapfenstreich verabschiedet, mit Ausnahme von Gustaf Heinemann, der sich statt dessen eine Dampferfahrt auf dem Rhein gewünscht haben soll.

Meistens findet der Große Zapfenstreich als geschlossene Veranstaltung in Kasernen statt. Erst mit dem Umbau der Bundeswehr zur Interventionsarmee seit Anfang der 90er Jahre werden derartige Rituale immer öfter im öffentlichen Raum zelebriert. Mit dem Großen Zapfenstreich wird exemplarisch Staatsmacht demonstriert, religiös und patriotisch verklärt durch die Verwendung tradioneller musikalischer Bestandteile (z.B. Yorckscher Marsch) und durch den Befehl „Helm ab zum Gebet“.

Die Aufführung erfolgt durch mindestens ein Musikkorps, zwei Züge Begleitkommando „unter Waffen“ und durch Fackelträger, sie bilden die so genannte Ehrenformation. Das Zeremoniell findet immer abends - in der Dämmerung oder bei Nacht - statt und umfasst den Aufmarsch der Ehrenformation, die Aufführung einer Serenade, die Aufführung des Großen Zapfenstreichs und den Ausmarsch der Ehrenformation. Während der gesamten Veranstaltung herrscht zwischen den musikalischen Einlagen absolute Stille.

Seit seinem Entstehen in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts ist das Zeremoniell im Kern unverändert und gehört seit 1957 offiziell zur Tradition der Bundeswehr. Nach 1871 war es üblich, bei besonderen Anlässen innerhalb des Großen Zapfenstreichs die Kaiserhymne zu spielen. So wurde auch alljährlich zum Geburtstag des Kaisers ein Großer Zapfenstreich zelebriert. Seit 1922 wird die Nationalhymne dem Großen Zapfenstreich hinzugefügt. Sie dient als symbolischer Bezugspunkt, dem der treue Dienst und die Tapferkeit des Soldaten gesetzlich zugeordnet sind. Der Große Zapfenstreich, als Teil der Traditionspflege der Bundeswehr, soll durch seine Aufführung in der Öffentlichkeit die Verbundenheit zwischen Bevölkerung und Truppe fördern und die Zusammengehörigkeit der Soldaten im gemeinsamen Dienst festigen.

Zur Aktualität des Zapfenstreichs
Zur Geschichte des Zapfenstreichs


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