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Geschichte und Tradition der Bundeswehr

2005: 50 Jahre Bundeswehr - was gibt es zu feiern?

Das Jahr 2005 war Anlass zum Rückblick auf die Gründung der Bundeswehr im Jahr 1955 und zur Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte. Eine Erfolgsgeschichte, Grund zum Feiern?
Generalprobe zum Großen Zapfenstreich aus Anlass des 50jährigen Gründungstages der Bundeswehr. Foto: kappa photo























Ursprünglich sollte sie Wehrmacht heißen... Das Etikett wurde verworfen, so auch der Inhalt? Wer Detailinformationen sucht, sollte nicht erst mit dem Jahr 1955 beginnen. Eine Fülle von Tatsachen in knappen Stichworten bietet die Chronik der Bundeswehrgeschichte:
1945 bis 1955
1956 bis 1965
1966 bis 1975
1976 bis 1985
1986 bis 1995
1996 bis 2005
Es wäre eine fahrlässige Verharmlosung der Wehrmacht, wollte man sie mit der Bundeswehr gleichsetzen. Dennoch: Eine klare Distanzierung, die bis in die "Traditionszimmer" von Kasernen reicht, hat es bisher nicht gegeben. Wenn Übergriffe von Soldaten gegen andere Soldaten oder ZivilistInnen bekannt werden, gibt es nicht selten einen rechtsextremistischen oder fremdenfeindlichen Hintergrund.
"Stern"-Titelbild: Soldaten feiern "Führers Geburtstag"

Selbstgewählter Traditionsbezug der Bundeswehr




Wie die Bundeswehr sich ihre Tradition wählt, zeigt sich in Benennungen von Bundeswehrkasernen. Namen von Wehrmachtssoldaten sind zahlreich vertreten, mehrheitlich handelt es sich dabei nicht um Personen, die Widerstand geleistet haben. Auch Benennungen nach Soldaten des kaiserlichen Heeres kommen noch vor.

Die besondere Rolle, die der historische Ort des Bendlerblocks, des heutigen Sitzes des Bundesministeriums der Verteidigung, spielt, zeigte sich bereits vor Jahren, als die Bundeswehr begann, auf den dortigen Liegenschaften "feierliche Gelöbnisse" abzuhalten. "Traditionsreich" und immer dabei: das Wachbataillon.


Exemplarisch ist auch das Verhältnis der Bundeswehr zu den Offizieren des 20. Juli 1944 und die Weiterverwendung von Militärritualen. Die Identifikation mit den Attentätern des 20. Juli ist die eine, die modernisierte Seite der bundeswehreigenen Traditionspflege. Die andere, weniger modern wirkende, zeigt sich beispielsweise in der mangelnden Distanz zu Ritterkreuzträgern.

Von 1996 stammend, aber grundsätzlich noch immer aktuell ist ein Vortrag von Detlev Beutner, in dem er sich mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden von Militärjustiz und Wehrdisziplinarordnung der Bundeswehr (pdf-Download 82,2 KB) auseinandersetzt.

Grund zur kritischen Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart der Bundeswehr geben auch die zahlreichen "Vorkommnisse" oder "Einzelfälle", wie die bundeswehrinterne Bezeichnung für Mängel in der Inneren Führung, Schikanen und Übergriffe lautet.

Wer wissen will, welchen Weg die Bundeswehr in die Zukunft gewählt hat, sollte sich zunächst anschauen, wie sich das Verhältnis von Bundesregierung und Bundeswehr zu "Auslandseinsätzen", sprich: Krieg veränderte.
Zum Weiterlesen:

- Arbeitsstelle Frieden und Abrüstung (Hg.): "Am Hindukusch und anderswo", darin besonders die Beiträge von Markus Euskirchen ("Militär, Staat und Nation") sowie zur Traditionspflege der Bundeswehr von Jakob Knab und OLAFA.
- Markus Euskirchen: Militärrituale
- Markus Euskirchen: "Das Zeremoniell der Bundeswehr: Banalisierung von Staatsgewalt durch Militärrituale".