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Sie sollte Wehrmacht heißen
50 Jahre Bundeswehr

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Die bedingungslose Kapitulation vom 8. Mai 1945 markierte mit dem Ende
des Zweiten Weltkriegs auch das Ende der Wehrmacht. Die
Remilitarisierung Deutschlands setzte schon bald nach dem Ende des
Krieges ein, auch wenn zunächst viele Menschen schworen, nie wieder
eine Waffe in die Hand zu nehmen. Nach der Gründung der beiden
Nachfolgestaaten des Deutschen Reiches begann die Wiederaufrüstung
konkrete Gestalt anzunehmen.
Zehn Jahre nach dem Ende der Wehrmacht trat die Remilitarisierung der
Bundesrepublik in eine neue Phase. Eine Armee wurde gegründet: Sie
sollte Wehrmacht heißen. Militärs gaben dazu den Anstoß, Militärs
setzten ihre Vorstellungen um. Viele von ihnen hatten nicht nur in der
Wehrmacht, sondern bereits in der Reichswehr gedient, einige schon im
kaiserlichen Heer. Sie hatten also bereits einmal an der
Remilitarisierung Deutschlands im NS-Staat teilgenommen. Dies und ihre
Erfahrung aus dem Vernichtungskrieg der Wehrmacht qualifizierte sie,
erneut eine Armee aufzubauen, gerichtet gegen den gleichen Gegner.
Allen vorgeblichen oder wirklichen reformerischen Bemühungen zum Trotz
wurde die deutsche Armee geistig durch ihre Gründerväter geprägt. Den
reformerischen Bemühungen Baudissins um die so genannte „innere
Führung“ standen Traditionalisten wie Heinz Karst gegenüber. Im Umfeld
der neuen Armee tummelten sich Veteranen- und Soldatenverbände der
Wehrmacht. Zu Teilen gilt das bis heute, so stellen sich die
Gebirgsjäger der Bundeswehr bewusst in die Tradition der Wehrmacht.
Auch wenn die neu gegründete Armee schließlich nicht den Namen
Wehrmacht erhielt, sondern Bundeswehr, erfolgte bis heute keine klare
Abkehr vom Geist der Wehrmacht und von ihren Traditionen. Noch weniger
erfolgte eine eindeutige Absage an deutsch-nationalen Militarismus –
wie auch, ist doch Militär ohne Militarismus undenkbar. Speziell die
preußisch-deutsche Militärtradition ist zentral für die Bundeswehr, und
auch die Nationale Volksarmee der DDR suchte ihre Tradition in dieser
Richtung. Auch die preußische ist keine harmlose Tradition, wenngleich
die Verbrechen der Wehrmacht die Auswirkungen des preußischen
Militarismus noch in den Schatten stellen.
Die Gründung der Bundeswehr war von heftigen Protesten begleitet –
Stichwort „Ohne-mich-Bewegung“ - und ihre Entwicklung von Wellen der
Kritik aus überwiegend pazifistischer Perspektive. In der BRD der
1990er Jahre wurde die Bundeswehr zu einem Teil militärgestützter
Außenpolitik, der nicht mehr zu Massenprotest führt. Waren Anfang der
1950er Jahre antimilitaristische Haltungen und eine grundsätzliche
Kritik am Militär, an seinen Aufgaben, an Krieg und Kriegführung
verbreitet, ist eine prinzipielle Abkehr von Militarismus und Militär
heute selten geworden, wozu die Beteiligung der Bundeswehr in
Auslandseinsätzen bis hin zum Krieg mit entsprechenden rotgrünen
Begleitmärschen nicht wenig beigetragen hat. Das Getöne von
„gewachsener Verantwortung“, die sich angeblich darin ausdrückt,
Militär in Staaten zu schicken, die Deutschland nicht angegriffen
haben, verbindet sich exzellent mit den Phrasen von der
„selbstbewussten Nation“, wie sie seit den 1990er Jahren auch von
ehemals eher linken Vordenkern propagiert werden.
Krieg und Kriegsbeteiligung werden zwar in der Gesellschaft nach wie
vor kritisch gesehen. Deshalb spricht man in der Bundesrepublik eben
nicht von Krieg, es sei denn andere führen ihn. Die reale deutsche
Beteiligung am Krieg wird umgedeutet zu „humanitären Akten“ oder wie im
Fall des Irak-Kriegs gänzlich verschleiert. Die Umrüstung der
Bundeswehr für weltweite Kriegführung und die entsprechenden
Verteidigungspolitischen Richtlinien, die dies auch unverblümt
aussprechen, bleiben ausgeblendet. Sie sind der Öffentlichkeit wenig
bekannt, wo doch, mangelt es an kompetenter und grundsätzlicher Kritik.
Deshalb fällt es den Militärs auch so leicht, Gewalt durch Soldaten,
die politische Nähe von Bundeswehrsoldaten zum Rechtsradikalismus,
Schikanen und Misshandlungen innerhalb der Bundeswehr als Einzelfälle
und Entgleisungen darzustellen. Dass militärische Strukturen und
militaristischer Geist rechtem Denken und gewaltförmigem Handeln
systematisch Vorschub leisten, muss immer wieder neu ins Bewusstsein
gerufen werden. Zur Verankerung des Militärs in der Gesellschaft trägt
auch die Wehrpflicht bei - im Laufe der Jahrzehnte wurde ein großer
Teil der männlichen Bevölkerung mit ihrer Hilfe militärisch
sozialisiert. Die andere Seite der Wehrpflicht, der Zivildienst, trug
mindestens dazu bei, Zwangsdienste im Bewusstsein der Bevölkerung als
Normalität zu verankern.
Das Bild des Militärs hat sich gewandelt. Kriege aber sind Kriege
geblieben. Das Soldatenhandwerk dient dem Töten und Morden im Auftrag
der Politik. Auch wenn mit Hilfe der Medien ein "guter Soldat"
inszeniert wird, ist die Aufgabe von Soldaten im Einsatz eben nicht
„Helfen, Retten und Schützen". Die Bundeswehr ist keine humanitäre
Nichtregierungsorganisation, ihre Soldaten sind keine unbewaffneten
Ärzte und Entwicklungshelfer, und wo sie im Einzelfall humanitäre Hilfe
leisten, geschieht dies nicht unabhängig und nach ausschließlich
humanitären Kriterien, sondern ist es eingebettet in einen
militärischen Auftrag im deutschen Interesse nach geostrategischem und
politischem Kalkül.
Nach 50 Jahren Bundeswehr gibt es nichts zu feiern.
© Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär
Kopenhagener Str. 71 - 10437 Berlin
Tel: 030/44013025 - Fax: 030/44013029
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