|
|
 |
|
PRESSEINFO
 |
Nummer: 24/96
AutorIn: Matthias Mücke, Andreas Schroth
eMail: info@Kampagne.de
|
Datum: 13.05.1996
|
 |
Prozeß gegen Totalverweigerer vor dem Amtsgericht Berlin
am 17. Mai 1996 um 13.00 Uhr
Am 17. Mai findet vor dem Amtsgericht Tiergarten, Wilsnackerstr.4, Raum C201, der Prozeß gegen den Medizinstudenten Hans-Caspar Graf von Bothmer statt. Er ist angeklagt, seinen Zivildienst nicht geleistet zu haben.
Hans-Caspar ist seit 1988 in der Friedensarbeit in Nordirland engagiert. Ende 1990 verweigerte er jeglichen Kriegsdienst, wurde aber lediglich als Waffendienstverweigerer anerkannt.
Seit seinem Abitur 1991 hat das Bundesamt für Zivildienst (BAZ) versucht, Hans-Caspar einzuberufen. 1993 kündigte er dem BAZ(Bundesamt für Zivildienst) an, daß er keinen Zivildienst leisten werde. Ein Jahr später, im Sommer 94 wurde er dann nach Südbayern einberufen. Diesen Dienst trat Hans-Caspar nicht an und provozierte damit obigen Prozeß.
Hans-Caspar hat in den vier Jahren seines Studiums unter diesem massiven, von der Wehrpflicht ausgehenden Druck sein Physikum gemacht und wird so lange wie möglich weiterstudieren, obwohl schon eine Verurteilung ihn an der Ausübung seines Berufes als Arzt wird hindern können.
Hans-Caspar lehnt den Zivildienst ab, weil er diesen Zwangsdienst als asozialen billigen Arbeitsdienst erlebt, der grundsätzlich auf Kosten der Pflegebedürftigen geht. Diese Menschen werden in ihrer weitgehend hilflosen Situation mit schlecht ausgebildeten und oftmals unmotivierten Zwangsarbeitern konfrontiert. Damit ist derselbe menschenverachtende Grundgedanke, der in der Armee herrscht, auch im sozialen Bereich installiert. Daneben wird der Zivildienst als billige Alternative zu ausgebildetem Pflegepersonal benutzt, die öffentlichen Kassen z.B. zugunsten des Militärs entlastet.
Der militärische Aspekt des Zivildienstes erstreckt sich nicht nur auf die in der heutigen Zeit unwahrscheinliche Kriegssituation. Durch den Waffen- als auch alle Ersatzdienste wird ein Großteil der Bevölkerung in das militärische Konzept der „Gesamtverteidigung“ eingebunden und nach militärtechnischen Maßgaben diszipliniert. Damit wird über die Wehrpflicht eine künstliche und ständig kriegsbereite Wehrgemeinschaft aufrechterhalten.
Hans-Caspar ist nicht bereit, sich dieser menschenverachtenden Politik widerstandslos und willenlos zu beugen.
Bei Rückfragen stehen wir Ihnen unter der oben genannten Telefonnummer zur Verfügung.
|
|

Pressestelle
Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär
Kopenhagener Str. 71 - 10437 Berlin
Tel: 030/44013014 - Fax: 030/44013029 |
|