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PRESSEINFO

Nummer: 06/97

AutorIn: Ralf Siemens

eMail: info@Kampagne.de
Datum: 18.03.1997

Ausländerjagd durch Soldaten der Bundeswehr in Detmold

Mindestens neun vermummte Bundeswehrsoldaten der Rommel-Kaserne in Augustdorf haben in Uniform am Montag abend in der Detmolder Innenstadt eine regelrechte Hetzjagd auf Ausländer veranstaltet. Dabei wurden drei Ausländer verletzt. Der Stoßtrupp der Bundeswehr gehört dem Panzeraufklärungsbataillon 7 an, das auch für den Einsatz in Bosnien vorgesehen ist. Diese deutsche Krisenreaktionseinheit ist dem NATO-Interventionskorps unterstellt. Bereits 1995 hat sich der Augustdorfer Standort in Zusammenhang mit Gewalttaten hervorgehoben. Damals haben drei Unteroffiziere einen Rekruten monatelang schikaniert. Als er sich beschweren wollte, schlugen sie ihn krankenhausreif zusammen.

Die Ausländerjagd von Detmold ist ein weiterer Höhepunkt von rassistischem und ausländerfeindlichem Verhalten von Soldaten der Bundeswehr. Ein solch öffentliches Auftreten einer uniformierten Kampfgemeinschaft, die mit Messern und Baseballschlägern bewaffnet auf Ausländerjagd geht, ist allerdings ein bislang einmaliger Vorgang. Aber er ist nur die Spitze des Eisbergs von Rassismus und Ausländerfeindlichkeit innerhalb der Truppe. Wenige Tage nach der Veröffentlichung des Jahresberichtes der Wehrbeauftragten, Claire Marienfeld, ist ihre Feststellung, “in der Bundeswehr gäbe es keine rechtsextremistische Entwicklung”, durch Soldaten handgreiflich widerlegt worden.

Noch vor wenigen Tagen wurden Soldaten der Bundeswehr für ihren Einsatz in Albanien von der Boulevardpresse und von Regierungsvertretern als Helden gefeiert. Eingestimmt auf weltweite Kampfeinsätze verschiebt sich innerhalb der Truppe das Selbstverständnis: soldatische Tugenden, Bejahung von Gewalt, stolz sein auf Volk und Vaterland, einsatznahe Ausbildung, mentale Ausrichtung auf Tötungs- und Todesbereitschaft des einzelnen Soldaten prägen die Stimmung und das Bild innerhalb der insbesondere für Auslandseinsätze vorgesehenden Krisenreaktionskräften der Bundeswehr.

Die Bundeswehr ist eine Institution, in der die Ausübung von Gewalt in ihrer grausamsten Art zur alltäglichen Beschäftigung gehört. Gewaltbereitschaft von Soldaten ist ein strukturelles Problem, nicht das Phänomen angetrunkener, fehlgeleiteter Einzelschicksale, wie regelmäßig das Verteidigungsministerium erklärt.

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