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PRESSEINFO

Nummer: 06/99

AutorIn: Ralf Siemens

eMail: info@Kampagne.de
Datum: 04.03.1999

Gelöbnis der Bundeswehr in Berlin am 20. Juli

Verteidigungsminister Scharping hat angekündigt, am 20. Juli in Berlin ein öffentliches Gelöbnis der Bundeswehr durchzuführen. Dieser Plan stößt auf unseren entschiedenen Widerstand.

Gelöbnisse stehen nicht in einer demokratischen Tradition, sondern symbolisieren militärischen Drill und Entmündigung sowie die Unterordnung des Einzelnen unter das antidemokratische Prinzip von Befehl und Gehorsam. Die Rekruten sind in der Gelöbnis-Zeremonie sichtbar ihrer Persönlichkeit beraubt: Marschieren im Gleichschritt, Stillstehen auf Befehl, Befolgen der Kommandos eines Offiziers und chorales Nachsprechen einer fast religiösen Formel stehen für die erzwungene Unmündigkeit des Einzelnen. Gelöbnisse sind Rituale, bei denen Soldaten sich bereiterklären, zu töten und getötet zu werden. Gelöbnisse sind Rituale des preußischen und nationalsozialistischen Militarismus und widersprechen grundsätzlich den Grundwerten einer demokratischen und zivilen Gesellschaft.

Das Gelöbnis soll am 20. Juli im oder am Bendlerblock stattfinden. Bewußt soll die Zeremonie mit dem Tag und dem Ort des gescheiterten militärischen Widerstands verbunden werden. Die Bundeswehr stehe in der Tradition des militärischen Widerstandes gegen Hitler, so Scharping. Der Widerstand aus den Reihen der Wehrmacht hatte jedoch überwiegend keine demokratischen Motive und schon gar keine demokratische Zielsetzung. Angesichts der sich abzeichnenden militärischen Niederlage des Deutschen Reiches hatten sich Soldaten zum Attentat entschlossen, um die totale Kapitulation zu verhindern. Einige der Attentäter waren an Verbrechen der Wehrmacht direkt beteiligt.

Der Bendlerblock ist kein Ort des Widerstands, sondern der Ort, an dem seit 1938 durch das Oberkommando der Wehrmacht die verbrecherischen Kriege der Wehrmacht vorbereitet und geplant wurden. Ein Aufmarsch der Bundeswehr an diesem Ort verhöhnt die Opfer des nichtmilitärischen Widerstandes. Die Bundeswehr übt damit eine Provokation gegenüber denjenigen aus, die aufgrund ihrer Desertion und Kriegsdienstverweigerung im nationalsozialistischen Deutschland verfolgt wurden. 50.000 Todesurteile wurden gegen diese Menschen von der NS-Militärjustiz ausgesprochen, mehr als 20.000 wurden vollstreckt.

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