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PRESSEINFO

Nummer: 35/00

AutorIn: Ralf Siemens

eMail: info@Kampagne.de
Datum: 21.07.2000

Gedenkkranz für Deserteure entwendet

Die Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär hat gestern in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand mit einer Kranzniederlegung die Deserteure der Wehrmacht und Kriegsdienstverweigerer geehrt. Der Kranz mit der Aufschrift „Den Deserteuren und Kriegsdienstverweigerern – Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär“ ist heute bereits nicht mehr im Ehrenhof der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Nach Aussagen von Mitarbeitern der Gedenkstätte lag er noch heute Morgen an dem Platz, wo er gestern niedergelegt wurde.

Das heimliche Entfernen des Kranzes zeigt, auf welchen Widerstand die Ehrung von Deserteuren und Kriegsdienstverweigerern der Wehrmacht noch heute stößt. So nannte gestern ein Major der Feldjäger, der für die Sicherheit zuständig war, den Wehrmachtsdeserteur Ludwig Baumann einen „Straftäter“. Ludwig Baumann, Vorsitzender der Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz und selbst Wehrmachtsdeserteur, hatte die Ansprache gehalten. Auch wurde der Kampagne durch die Bundeswehr verweigert, Informationsmaterial und Presseerklärungen zu verteilen. Sie fielen der militärischen Zensur zum Opfer. Der Bundeswehr wurde für den 20. Juli das Hausrecht übertragen und sie setzte ihr Demokratieverständnis durch.

Die Wehrmachtsdeserteure müssen bis heute um ihre vollständige Rehabilitierung kämpfen. Nach Aufhebung der NS-Unrechtsurteile durch den Bundestag 1998 verbleiben Deserteure der Wehrmacht als einzige Gruppe von Überlebenden, die sich entwürdigenden Einzelfallprüfungen unterziehen müssen.

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