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PRESSEINFO

Nummer: 21/01

AutorIn: Ulrike Gramann, Ralf Siemens

eMail: info@Kampagne.de
Datum: 17.07.2001

Wehr Macht Tradition
Gelöbnis im Hochsicherheitstrakt

Vor 2.400 handverlesenen und sicherheitsüberprüften Gästen werden rund 600 Soldaten am 20. Juli 2001 in Berlin ein nichtöffentliches Gelöbnis ablegen. Der weiträumig abgesperrte Gelöbnisort wird der neu angelegte Paradeplatz am Berliner Sitz des Verteidigungsministeriums, dem Bendlerblock, sein. Die Kampagne wendet sich entschieden gegen dieses wie gegen jedes andere Gelöbnis als ein  vordemokratisches und militaristisches Schauspiel.

Beim Gelöbnis 2000 bezeichnete Scharping die Verschwörung des 20. Juli als „Inbegriff und das Symbol des gesamten deutschen Widerstandes“ und behauptete, die Verschwörer hätten ihr „Leben für Frieden und Menschenrechte eingesetzt".

Scharping leugnet bewusst die historischen Tatsachen, um eine „bessere Wehrmacht“ zu konstruieren. Wer den Putschversuch des 20. Juli 1944 zur Traditionsbildung für die Bundeswehr nutzt, wertet die in Wahrheit verbrecherische Wehrmacht insgesamt auf und versucht, unter die deutsche Geschichte einen Schlussstrich zu setzen. Zentrales Motiv für diese Hinwendung zur Wehrmacht ist die Beteiligung der Bundeswehr an Kriegen. Sie soll weltweit eingesetzt werden, unter dem Vorwand der Menschenrechte und als angebliche Lehre aus Ausschwitz.

Viele der Verschwörer aus dem Militär waren an Verbrechen der Wehrmacht direkt beteiligt. Carl Goerdeler beispielsweise, der nach einem gelungenen Staatsstreich Reichskanzler hätte werden sollen, verfasste noch 1941 eine antisemitische Denkschrift, in der er eine „gesetzliche Sonderregelung zur Judenfrage“ ausarbeitete. Jüdinnen und Juden sollten nach seinen Vorstellungen mehrheitlich die deutsche Staatsbürgerschaft verlieren und in einem anderen Land „angesiedelt“ werden. Mit den Verschwörern des 20. Juli werden Militärs geehrt, die wie General Erich Hoepner den verbrecherischen Angriffskrieg gegen die Sowjetunion als „Abwehr des jüdischen Bolschewismus“ befürworteten. Mit ihrer Kriegsbeteiligung an verantwortlicher Stelle, teilweise in Spitzenpositionen des Militärs, haben auch sie die industrielle Vernichtung der europäischen Juden mitgetragen und ermöglicht. Der „Aufstand des Gewissens“ diente in erster Linie dazu, die „Ehre der deutschen Nation“ zu retten und der unausweichlichen bedingungslosen Kapitulation zuvorzukommen.

Auch der Bendlerblock ist kein Ort des Widerstands, sondern der Ort, an dem sich seit 1938 das Oberkommando der Wehrmacht und Teile des Oberkommandos des Heeres befanden. Schon am 3. Februar 1933 eröffnete Hitler der Generalität in diesem Gebäude seine verbrecherischen Ziele. Hier wurde der Vernichtungskrieg vorbereitet und geplant. Hätte die Führung der Wehrmacht daraufhin abgedankt, hätte es weder den Vernichtungskrieg noch Ausschwitz gegeben. Dass der Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, sich zur Gelöbnisansprache hergibt, ist ein Schlag ins Gesicht der Opfer der deutschen Verbrechen.

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