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PRESSEINFO

Nummer: 23/01

AutorIn: Ralf Siemens

eMail: info@Kampagne.de
Datum: 18.07.2001

Wachbataillon: Wehrmachtstradition ungebrochen

Am 20. Juli werden zwei Kompanien des Wachbataillons im hermetisch abgeriegelten Sperrbezirk um den Berliner Bendlerblock ein „feierliches“ Gelöbnis abhalten. Anlass genug, unabhängig von dem vordemokratischen Charakter eines Gelöbnisses und der mit dem Gelöbnis verbundenen skandalösen Ehrung des militärischen Widerstandes, die Traditionspflege und Aufgabe dieser Truppe zu kritisieren.

Das Wachbataillon ist für den „protokollarischen Ehrendienst“ der Bundesregierung und des Bundespräsidenten zuständig. Bei jedem offiziellen Staatsempfang wird ein Spalier des strammstehenden Wachbataillon abgeschritten, Gewehre präsentiert, militärische Kommandos gebrüllt, militärisch gegrüßt. Diese Paradefunktion soll staatliche Souveränität und militärische Stärke demonstrieren. Staat und Militär verschmelzen zu einer Einheit. Dieser protokollarische Mummenschanz hat seine Ursprünge im 17. und 18. Jahrhundert. Die preußischen Despoten schmückten sich mit einer Leibgarde, ihr Exerzierstand war Sinnbild für preußische Ordnung und Disziplin.

Während der nationalsozialistischen Diktatur wurde die Wachtruppe erheblich verstärkt, um den steigenden „Parade- und Ehrendienst“ abzudecken. Ihre Angehörigen erhielten ein gotisches „W“ auf Schulterstücken und –klappen. Dieses weiße gotische „W“ als Wahrzeichen hat auch heute noch das Wachbataillon der Bundeswehr am Barett. Und wie zu Zeiten der Wehrmacht werden Soldaten nach Aussehen und Körpergröße zum Wachbataillon herangezogen.

Das Präsentiergewehr des Wachbataillons ist der Karabiner 98 K. Dieses Gewehr ist 1935 eingeführt worden und wurde zum Standardgewehr der Wehrmacht. In einer Festschrift der 2. Kompanie des Wachbataillons zu ihrem 40. Dienstjubiläum 1997 wird dieses Gewehr in einer Scharfschützenvariante gerühmt: „Verbunden mit einer vollkommen neuen Taktik, dem paarweisen Einsatz von Scharfschützen, war der Erfolg wieder auf deutscher Seite.“ Um die Vorzüge dieses Gewehres zu betonen, wird auf Äußerungen überlebender deutsche Scharfschützen mit „bis zu 350 bestätigten Abschüssen“ verwiesen. Abschüsse? Erfolg auf deutscher Seite? Es war also ein Erfolg, in einem Angriffs- und Vernichtungskrieg die gegnerischen Soldaten umzubringen. Abschließend heißt es: „Vielleicht hilft dieser Bericht den Karabiner 98 K, auch als Teil der Traditionspflege, in Erinnerung zu behalten...“

Der Kreis schließt sich: Gelöbnis, Wachbataillon, Wehrmachtsgewehr und die Ehrung von Kriegsverbrechern zeigen das ungebrochene Traditionsverständnis der Bundeswehr.

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