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PRESSEINFO

Nummer: 18/02

AutorIn: Michael Behrendt

eMail: info@Kampagne.de
Datum: 17.07.2002

Amtsgericht Berlin verwarnt Totalverweigerer

Heute wurde der 19 Jahre alte totale Kriegsdienstverweigerer Malik Sharif vom Amtsgericht Berlin für seine wiederholte Gehorsamsverweigerung ohne Auflagen verwarnt. Das Urteil wurde nach Jugendstrafrecht gefällt. Richter Müller Reinwart hielt dem Angeklagten zu Gute, dass seine Entscheidung zur Totalverweigerung von hoher Ethik getragen sei. Trotzdem müsse er den Angeklagten verurteilen, da er sich laut geltendem Gesetz der Gehorsamsverweigerung schuldig gemacht habe.

Malik Sharif wurde am 1.11.2001 in die Bundeswehr einberufen. Am 3.11.2001 erschien er dort und verweigerte alle Befehle. Aufgrund dieses Verstoßes gegen die Wehrdisziplinarordnung wurde er 80 Tage, unter Einzelhaftbedingungen in einer sechs Quadratmeter großen Zelle, arrestiert und danach vom Dienst ausgeschlossen.

Die Staatsanwaltschaft forderte eine harte Bestrafung nach Erwachsenenstrafrecht, da Malik Sharif intelligent, verantwortungsbewußt, reif und in Kenntnis aller Folgen bei der Bundeswehr seine Gehorsams- und Totalverweigerung betrieben habe. Er unterstellte dem Angeklagten, mit seiner Totalverweigerung die für Ihn günstigere Variante gegenüber der Ableistung der Wehrpflicht bewußt gewählt zu haben. Da Malik Sharif vier mal Befehle in der Kaserne verweigerte sollte er auch für vier Straftatbestände verurteilt werden. Er forderte eine Gesamtstrafe von sechs Monaten Freiheitsstrafe.

Strafverteidiger Wolfgang Kaleck hielt dem entgegen, dass der Angeklagte eine einmalige und endgültige Gewissensentscheidung getroffen hat. Daher ist seine Gewissensentscheidung nicht in mehrere strafbare Handlungen zu trennen. Er forderte Freispruch für Malik, da er nur seinem Gewissen treu geblieben sei und einen Kampf für die gesamte Gesellschaft führt. Durch seine pazifistische Grundhaltung und seine Gewissensentscheidung wirke er im positiven Sinne für die Gesellschaft. Der Staat habe im übrigen bereits immense Gewalt auf Malik Sharif ausgewirkt, da er bereits bei der Bundeswehr arrestiert war.

Malik Sharif und sein Anwalt erwarten, dass die Staatsanwaltschaft gegen das Urteil in Berufung gehen.

Wir fordern Freispruch für alle Totalverweigerer und die sofortige Abschaffung der Wehrpflicht.

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