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PRESSEINFO

Nummer: 22/02

AutorIn: Michael Behrendt

eMail: info@Kampagne.de
Datum: 20.07.2002

Bundeswehr und Regierung behindern Gedenken an Wehrmachtsdeserteure

Die Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär hat heute, am 20. Juli 2002, in der „Gedenkstätte Deutscher Widerstand“ mit einer Kranzniederlegung die Deserteure der Wehrmacht, Wehrkraftzersetzer und Kriegsdienstverweigerer geehrt. Ludwig Baumann, Vorsitzender der Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz und selbst Wehrmachtsdeserteur, hielt die Ansprache.

Die Bundeswehr behinderte massiv eine würdige Kranzniederlegung. Mitgliedern des Neuen Forums, der Kampagne und Ludwig Baumann wurde der Zugang vor die Berliner „Gedenkstätte Deutscher Widerstand“ vor und während der offiziellen Feierstunde der Bundesregierung, die von 12 bis 12.45 verlief, verwehrt. Zu einem Eklat ist es nach Abschluss der offiziellen Ehrung gekommen. An dem für die Ehrengäste der Bundeswehr und Bundesregierung offenstehenden Zugang zur militarisierten Zone um die Gedenkstätte wurde weiterhin der Zugang für die Deserteursehrung verhindert. Feldjäger stellten sich ihnen in den Weg. Sie beriefen sich auf ein Befehl des Kommandeurs des Standortkommandos Berlin, Oberst Schultze. Nur über einen abseits gelegenen und weit entfernten Einlass war es möglich, in die Gedenkstätte zu gelangen.

Selbst dem 80-jährigen Ludwig Baumann wurde kein direkter Einlass gewährt. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hatte ihm vor zwei Jahren noch zugesichert, dass er sich für eine würdiges Gedenken an die Deserteure einsetzen werde. In diesem Jahr hat die Bundeswehr ein würdiges Gedenken jedenfalls verhindert.

Bundesregierung und Bundeswehr haben die Ehrung von Wehrmachtsdeserteuren ausgegrenzt. Die pauschale Rehabilitierung der wegen Desertion Verurteilten - die der Bundestag erst 57 Jahre nach Kriegsende vorgenommen hat – ist offensichtlich nur ein bloßes Lippenbekenntnis. Deserteure haben sich am entschiedensten der Beteiligung an den verbrecherischen Kriegen der Wehrmacht entzogen. Über 30.000 Todesurteile wurden gegen sie durch die NS-Militärjustiz gefällt, über 20.000 wurden davon vollstreckt.

Pressestelle

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