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PRESSEINFO

Nummer: 11/04

AutorIn: Ulrike Gramann

eMail: info@Kampagne.de
Datum: 09.07.2004

Geschichtsverdrehung 20. Juli
Teil 1: Protest gegen Aggression


In der Rede, die Bundesverteidigungsminister Peter Struck am 20. Juli 2003 anlässlich des Rekrutengelöbnisses in Berlin hielt, hieß es:
"Im Bendlerblock manifestierte sich insbesondere auch der militärische Widerstand gegen den Diktator. 1938 trat von hier aus der Generalstabschef des Heeres Ludwig Beck aus Protest gegen die aggressive deutsche Außenpolitik zurück, nachdem sein Aufruf zum gemeinsamen Rücktritt aller Generale ohne Widerhall geblieben war."

Nicht Protest gegen die geplante Aggression, sondern Sorge vor deren zu frühem Beginn bewegte Ludwig Beck, der die Aufrüstung der Wehrmacht entscheidend mit geprägt hatte, zum Rücktritt. Dazu der Militärhistoriker Manfred Messerschmidt:
"Schon 1935 ging man über die Defensivstrategie des zweiten Rüstungsprogramms von 1932 zum Konzept der ‚offensiven Defensive' über. Hauptthema wurde die ‚Stärkung der Angriffskraft des Heeres'. Generalstabschef Beck gehörte zu den eifrigsten Verfechtern dieser Idee."

Manfred Messerschmidt über die Vorgänge, die zu Becks Rücktritt führten:
"(...) Beck blieb allerdings skeptisch, Mitte 1937 informierte er Blomberg, das Heer werde im Winter 1938/89 nicht schlagfertig sein. Seine Opposition gegen ein zu frühes Vorgehen gegen die Tschechoslowakei war bestimmt von der Sorge vor einem Krieg, für den die Wehrmacht nicht vorbereitet sei. (...) Er meinte auch, ein Überraschungsangriff gegen die Tschechoslowakei mit einer motorisierten Armee sei eine Illusion. Aber Beck wurde durch die von ihm selbst forcierte Aufrüstung überholt. (...) An der neuen Fassung von ‚Fall Grün' waren Jodl und Beck beteiligt. Es hieß nun: ‚Hat Deutschland seine volle Kriegsbereitschaft auf allen Gebieten erreicht, so wird die militärische Voraussetzung dafür geschaffen sein, einen Angriffskrieg gegen die Tschechoslowakei und damit die Lösung des deutschen Raumproblems auch dann zu einem siegreichen Ende zu führen, wenn die eine oder andere Großmacht gegen uns eingreift.'"

(Manfred Messerschmidt, Vorwärtsverteidigung. Die "Denkschrift der Generäle" für den Nürnberger Gerichtshof. In: Hannes Heer/Klaus Naumann (Hrsg.), Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944. 534ff.)
"Fall Grün": Tarnname des Angriffsplans gegen die Tschechoslowakei


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