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PRESSEINFO
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Nummer: 15/04
AutorIn: Ulrike Gramann, Ralf Siemens
eMail: info@kampagne.de
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Datum: 15.07.2004
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Geschichtsverdrehung 20. Juli
Teil 5: Bundeswehr spricht Klartext
Warum die Bundeswehr die Militärs, die am 20. Juli einen Putsch versuchten, als traditionsbildend für die deutsche Armee reklamiert, wird sichtbar, wenn man die ehrende Lebensbeschreibung des ehemaligen Wehrmachtsoffiziers Philipp von Boeselager auf der Website der Bundeswehr liest. Geehrt werden die „Männer des 20. Juli“ als Männer, die zu einem bestimmten historischen Zeitpunkt gegen Hitler waren. Gegen den Krieg aber waren sie nicht.
Philipp von Boeselager habe, so die Vita, bei der Heeresgruppe Mitte „... von Massentötungen und Verbrechen der sogenannten Einsatzkommandos erfahren. Sein Leben galt daraufhin nicht nur mehr der Verteidigung seines Vaterlandes, sondern ebenso dem Kampf gegen das verbrecherische System Hitlers. Mit dieser Einstellung gelangte er in den Verschwörerkreis von Tresckow...“
Die Bundeswehr interpretiert im Jahr 2004 den Angriffs- und Vernichtungskrieg der Wehrmacht als „Verteidigung des Vaterlandes“. Konnte ein Gegner der Massenverbrechen weiterhin treu dienen und wirklich glauben, ein „Verteidiger des Vaterlandes“ zu sein? Denn SD-Einsatzgruppen und Wehrmacht kooperierten und kommunizierten laufend über ihr Vorgehen im Osten und hatten schon im Juli 1939 darüber auch förmliche Vereinbarungen getroffen.
Unmittelbar vor dem 20. Juli 1944 ließ Philipp von Boeselager 1.200 Soldaten der 3. Kavalleriebrigade von der Front nach Brest verlegen, um sie von dort nach Berlin zu schicken, sobald das Attentat geglückt sei. Diese Einheit, so hebt die Bundeswehr hervor und übernimmt dabei den Frontjargon, „war zu einer Elitetruppe in schwersten Abwehrkämpfen geworden“. Von Boeselager erreichte dann aber
„die Nachricht vom Scheitern des Attentats. Boeselager kehrte daraufhin unverzüglich mit seinen Männern an die Front zurück.“
Der als Widerständler Geehrte setzte selbst nach dem Scheitern des Attentats den Krieg fort, den er seit Jahren als verbrecherisch erkannt haben musste. Nennt man das Widerstand? Wenn die Bundeswehr dieses Handeln ehrt, dann nur, weil die Gefolgschaft selbst gegenüber einem verbrecherischen Regime hoch geschätzt wird und weil die Wehrmacht entgegen den historischen Tatsachen nicht als verbrecherische Organisation erkannt wird. Ohne Soldaten wie Boeselager wäre es nicht zum 1. September 1939 gekommen, nicht zum Vernichtungskrieg und nicht zum Völkermord.
Das Ansehen, das Philipp von Boeselager als „Widerständler“ erworben hatte, führte dazu, dass er in den 50er Jahren im Westen in den Personalgutachterausschuss berufen wurde und dort im Zuge der Remilitarisierung „über die Einstellung hoher Offiziere sein Urteil abzugeben hatte“. Hohe Offiziere? Wehrmachtsoffiziere.
Alle Zitate: www.bundeswehr.de/forces/grundlagen/030722_vita_boeselager.php
(Download Juli 2004)
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