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Nummer: 21/04

AutorIn: Ulrike Gramann

eMail: info@kampagne.de
Datum: 20.07.2004

GelöbNIX baut Führung weiter aus:
Protest am Gitter und im Innenkreis

Auch in diesem Jahr ist es GelöbnisgegnerInnen gelungen, das Rekrutengelöbnis der Bundeswehr empfindlich zu stören: Über 1.000 GelöbniskritikerInnen und MilitärgegnerInnen, nicht weniger, aber lauter als im vergangenen Jahr, protestierten in einer Demonstration gegen das Rekrutengelöbnis der Bundeswehr, das heute unter massiven Sicherheitsvorkehrungen und hinter weiträumigen Absperrungen und Gittern auf dem Paradeplatz am Berliner Sitz des Verteidigungsministeriums stattfand.

Darüber hinaus gelang es AktivistInnen der Naturfreundejugend erneut mit List, sich auf den Paradeplatz und unter die handverlesenen Gäste zu schmuggeln. Gerade als die angetretenen Rekruten zu sprechen begannen "Ich gelobe...", liefen mehrere Personen in den Innenkreis des Gelöbnisses, wo Feldjäger sie, dabei weitere Unruhe stiftend, einfingen. Zwei Störer wurden festgenommen.

Die Kritik der GelöbnisgegnerInnen richtet sich gegen das anachronistische und überflüssige Ritual eines Gelöbnisses, besonders jedoch gegen den Traditionsbezug zur Wehrmacht, den die Bundeswehr durch ihre bewusste Inanspruchnahme des Datums 20. Juli herstellt. Ohne Militärs wie die späteren Attentäter hätte es nicht nur den 20. Juli 1944 nicht gegeben, sondern auch nicht die Aufrüstung der Wehrmacht und nicht den Angriffs- und Vernichtungskrieg, der am 1. September 1939 begann. Unerachtet ihrer persönlichen Opferbereitschaft im letzten Moment haben auch die Attentäter des 20. Juli über lange Jahre gehorsam gedient und, mehr als das, selbst Befehle im nationalsozialistischen Krieg erteilt.

Zehntausende Soldaten hingegen, die den Gehorsam im Krieg verweigerten, desertierten oder überliefen, eignen sich nicht als Vorbilder in einer Bundeswehr, die sich an Auslandseinsätzen und Krieg in aller Welt beteiligt. Wehrmachtsdeserteure verfügten weder über militärinterne Informationen noch über Teilhabe an der Macht. Sie folgten ihrem Gewissen. Der Wehrmachtsdeserteur Ludwig Baumann sagte heute bei der Kranzniederlegung der Kampagne für Deserteure und Kriegsdienstverweigerer: "Durch Wochenschauberichte wussten wir, dass Hunderttausende sowjetische Kriegsgefangene auf offenem Feld verhungern und erfrieren würden. Deshalb mussten wir desertieren, weil wir uns nicht an den Verbrechen beteiligen wollten."



Die Kampagne ist Teil des Netzwerks gegen das Gelöbnis: www.geloebnix.info

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