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PRESSEINFO
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Nummer: 23/04
AutorIn: Ulrike Gramann, Ralf Siemens
eMail: info@kampagne.de
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Datum: 24.11.2004
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"Einsatzfälle" in Coesfeld
Die Vorfälle in Coesfeld sind keine Einzelfälle, sondern Einsatzfälle. Seit Jahren wissen wir aus Gesprächen mit Soldaten, dass die Bundeswehr im Rahmen ihrer Umstruktrierung zu einer Interventionsarmee die Ausbildungsmethoden auf die Ziele der Einsätze abstimmt. Das Leitbild der Inneren Führung und die politische Bildung werden zugunsten einer "einsatznahen Ausbildung" in Theorie und Praxis verdrängt. Nicht die Vorfälle sind der Skandal, vielmehr besteht der Skandal in der Teilnahmslosigkeit, mit der Öffentlichkeit und selbst Betroffene hinnehmen, was die Konsequenz der politischen Entscheidung für Kriegseinsätze der Bundeswehr ist.
Als die Soldaten den Misshandlungen ihrer militärischen Vorgesetzten ausgesetzt waren, befanden sie sich in einer Ausbildungseinheit und trainierten das Verhalten während einer Gefangen- bzw. Geiselnahme. Die Geiseln waren sie. Was mit ihnen geschah, entspricht den Vorstellungen ihrer Ausbilder von dem, was "einsatznahe Ausbildung" genannt wird.
Glaubt man dem ehemaligen Heeresgeneral Franz Lanz, haben sie dabei nur ein wenig übertrieben. Lanz heute in der "Welt": "Es kann immer sein, daß Leute überreagieren - angesichts der Tatsache, daß sie von Einsätzen träumen und sagen, da muß man hart wie Kruppstahl sein. Die wollen das dann weitergeben und dann kommt es zu Fehlverhalten." Der unkommentierte Gebrauch des Nazi-Jargons zeigt, dass zumindest die Sprache solcher Ausbilder auch bei höheren Vorgesetzten Normalität zu sein scheint. Auch der Inspekteur der Heeres, Hans-Otto Budde, äußerte in diesem Jahr: "Wir brauchen den archaischen Kämpfer und den, der den High-Tech-Krieg führen kann." Kennt und achtet der "archaische Kämpfer", von dem Budde träumt, die Grundrechte?
Die Bundeswehr wird von der Verteidigungs- zur Einsatzarmee umgerüstet. Tausende Soldaten waren bereits in Kriegseinsätzen; weitere werden darauf vorbereitet. Krieg ist nicht humanitär. Eine die Grundrechte von Soldaten verletzende Ausbildung ist die Konsequenz ihres geplanten Einsatzes in weiteren Kriegen. Was dafür wichtig ist, wusste der damalige Oberstleutnant i.G. Reinhard Herden bereits 1997: "Bundeswehrsoldaten haben keine Vorstellung von der Grausamkeit, zu der diese Art Krieger (potentielle Gegner in Auslandseinsätzen - Kampagne) fähig ist... Es wäre jedoch unklug, sie nicht für die brutalen kleinen Kriege gegen die kleinen bösen Männer auszubilden."
Wie die Theorie, so die Praxis: "Deutsche Soldaten foltern nicht" (Struck), sie praktizieren (vorerst) nur einsatznahe Ausbildung.
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