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PRESSEINFO

Nummer: 07/05

AutorIn: Ralf Siemens

eMail: info@kampagne.de
Datum: 18.07.2005

Einschwörungsritual Gelöbnis

Das zentrale Gelöbnis der Bundeswehr findet am 20. Juli am Berliner Dienstsitz des Verteidigungsministeriums, dem Bendlerblock, statt. Junge Rekruten geloben vor Repräsentanten des Staates und vor ihren Familienangehörigen ihre Todes- und Tötungsbereitschaft, um „das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“.

Auch im 21. Jahrhundert verzichtet das deutsche Militär nicht auf dieses antidemokratische Ritual, da es wichtige Funktionen inner- und außerhalb der Armee erfüllt. Aus dem wehrpflichtigen Rekruten, stellvertretend für die Gesellschaft, wird der Soldat, der emotional an seine Pflicht zum Gehorsam, zur Opferbereitschaft und zum Töten gebunden wird. Der einzelne Soldat geht in der exakt ausgerichteten Masse äußerlich Gleichgeschalteter unter. Dressierte Menschen werden vorgeführt, an denen sich Politiker und Militärs ergötzen. Es ist ein Akt staatlicher Machtinszenierung, der Unterordnung nach innen, Gewaltbereitschaft nach außen demonstriert.

Politische Repräsentanten, Angehörige und Medien sind die Kulisse für das militaristische Schauspiel, mit der gesellschaftliche Kontrolle über das Militär und gesellschaftliche Einbettung des Militärs vorgegaukelt wird. Gelöbnisse sind Bausteine in einer bewussten Militarisierungsstrategie, die auf Akzeptanz von Kriegsbeteiligungen der Bundeswehr im Ausland abzielt. Dabei geht es nicht mehr um „Landesverteidigung“, den einzig verfassungsrechtlichen Auftrag der Bundeswehr. Davon haben sich Politik und Bundeswehr längst verabschiedet. Das völkisch-nationalistische Geloben der „tapferen Verteidigungsbereitschaft für das deutsche Volk“ wird für Kriege am Hindukusch und anderswo gebraucht.

Gelöbnisse sind eng mit der Wehrpflicht verknüpft. Zeit- und Berufssoldaten müssen einen Eid ablegen, während den - ursprünglich zwangsrekrutierten - Wehrpflichtigen freigestellt ist, ob sie geloben. Freilich werden sie innerhalb der Truppe darüber nicht aufgeklärt. In Wirklichkeit sind heute fast alle Rekruten aber bereits Freiwillige. Das Wehrpflichtrecht und die Einberufungspraxis sind der Interventionsarmee angepasst worden. Um die Einberufungsabsenkung von jährlich 150.000 auf unter 60.000 Wehrpflichtigen zu organisieren, sind die Maschen im Wehrpflichtnetz gewollt so grob gestrickt worden, um nur noch diejenigen zu fischen, die sich nicht aktiv gegen eine Einberufung wehren.


Informationen über Gelöbnisse, Berliner GelöbNIXe und zum 20. Juli


GelöbNIX-Demo am 20. Juli ab 17.00 Uhr am Bahnhof Friedrichstraße

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