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PRESSEINFO

Nummer: 08/05

AutorIn: Michael Behrendt

eMail: info@kampagne.de
Datum: 05.10.2005

50 Jahre Bundeswehr: „Kommando Feiern!“

50 Jahre Bundeswehr – damit nichts dem Zufall überlassen bleibt und die Bundeswehr würdig gefeiert wird, organisiert sie selbst die Events. Die zentrale Veranstaltung wird am 26. Oktober auf dem Platz der Republik vor dem Reichstagsgebäude durchgeführt: mit Feierstunde im Bundestag, parlamentarischem Empfang und, unter Einhaltung der „Lichtdisziplin“ (O-Ton Bundeswehr), dem „Großen Zapfenstreich“ im Fackelschein und unter Trommelwirbeln.

Eine am 30. Oktober 2003 gegründete militärische Unterstützungsgruppe (UGrp) „50 Jahre Bundeswehr“ hatte ihren Schlachtplan bis Anfang 2005 fertiggestellt und Anfang 2005 präsentiert. Kurz darauf berichtete ein Nachrichtenmagazin über die Pläne, auf dem Platz der Republik vor dem Reichstag einen „Großen Zapfenstreich“ zu „Ehren der Bundeswehr“ durchzuführen. Motto: „50 Jahre Parlamentsarmee“. Wie bei der Aufstellung der Bundeswehr wurde das Parlament in die Planung nicht miteinbezogen, erfuhren Bundestagorgane und das zuständige kommunale Bezirksamt Mitte erst durch diesen Artikel von dem militärischen Vorhaben. In einer ersten Stellungnahme der Behörde wurden erhebliche Bedenken gegen die Nutzung vorgetragen: Der Platz der Republik sei als sensible und besonders schützenswerte Grünanlage grundsätzlich von Großveranstaltungen freizuhalten und es seien massive Schäden der sensiblen unterirdische Bewässerungsanlagen zu befürchten. Von diesem Grundsatz solle nicht abgewichen werden, da außerdem zu befürchten sei, dass dann andere Veranstaltungen nur erschwert unterbunden werden könnten. Diese Bedenken wurden in einem „klärenden“ Gespräch zwischen Bundeswehr und Bezirksbehörde mit einem Handstreich beseitigt. Zumal die Bundeswehr zusicherte, für Schäden - Geld spielt bei der so „chronisch unterfinanzierten“ Bundeswehr keine Rolle - an der Grünfläche aufzukommen. So wurde Berlin die Bundeswehrfeier übergeholfen. Ähnlich auch in anderen Städten. In Köln beispielsweise erfuhren selbst die militärfreundlichen Kirchenvertreter erst durch Medienberichten von der Absicht, den Platz vor dem Kölner Dom für ein Gelöbnis und einen Zapfenstreich zu nutzen. Und der militärischen Selbsteinladung konnten sich dann auch die Volksvertreter nicht mehr entziehen, und segneten pro Forma einen entsprechenden Antrag der Bundeswehr ab.

Für den 26. Oktober hat die Bundeswehr einen Sondernutzungsbereich, der von der Wilhelmstraße bis zum Haus der Kulturen, von der Straße des 17. Juni bis über die Spree reicht, beantragt. Sie will mit etwa 4.500 Gästen unter sich bleiben. Dafür werden Teile des Tiergartens und der zentrale Platz der Republik für die Öffentlichkeit gesperrt. Dies scheint ein angemessener Rahmen zu sein.


Weitere Informationen: www.sie-sollte-wehrmacht-heissen.de
Informationen des Bündnisses gegen den Zapfenstreich: www.zapfnix.de

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