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PRESSEINFO

Nummer: 09/2005

AutorIn: Ulrike Gramann

eMail: info@kampagne.de
Datum: 13.10.2005

50 Jahre Bundeswehr: Sie sollte Wehrmacht heißen

Am 2. August 1945 einigten sich die vier Siegermächte im Potsdamer Abkommen auf die Abrüstung und Entmilitarisierung Deutschlands.

Am 3. Dezember 1949 sprach Bundeskanzler Konrad Adenauer zum ersten Mal in der Öffentlichkeit von einem westdeutschen "militärischen Beitrag".

Am 12. November 1955 war es soweit: 101 Soldaten erhielten von Verteidigungsminister Theodor Blank ihre Ernennungsurkunden. Dies gilt als die Geburtsstunde der neuen Armee. Sie sollte „Wehrmacht“ heißen. Über der Rednertribüne prangte ein fast fünf Meter großes Eisernes Kreuz.

Die Gründung der Bundeswehr wurde von Wehrmachtsgeneralen vorbereitet. Nach 1945 haben ehemalige Generalstabsoffiziere der Wehrmacht den zweiten Weltkrieg analysiert und in Denkschriften und Studien die Remilitarisierung Deutschlands gefordert – in Anknüpfung an den Kampf gegen den Osten. Die Bundeswehr wurde von Männern wie den Wehrmachtsgeneralen Hans Speidel und Adolf Heusinger aufgebaut, überzeugten Militärs, die in der kaiserlichen Armee, in der Reichswehr und der Wehrmacht gedient hatten. Bis zum 1. September 1955 lagen dem Verteidigungsministerium mehr als 152.000 Freiwilligenmeldungen vor, darunter die Anzahl von 40.413 ehemaligen Offizieren und 87.089 Unteroffizieren der Wehrmacht. Die „Entnazifizierung“ ehemaliger Wehrmachtsangehöriger erfolgte im Schnelldurchgang; verurteilte Kriegsverbrecher wurden als widerrechtlich inhaftiert betrachtet. Und erst bei der abschließenden Lesung des Soldatengesetzes im Februar 1956 im Bundestag kam es zu dem Konsens, die Streitkräfte der Bundesrepublik „Bundeswehr“ zu nennen.

Der militärische Geist der Bundeswehr hat sich nie von der Wehrmacht gelöst. Erinnert sei an die nach wie vor zahlreichen Kasernennamen, die Wehrmachtssoldaten ehren, angeblich “ausschließlich in Würdigung ihrer soldatischen Leistungen”, als könnte man die ohnehin fragwürdige Kategorie der „soldatische Leistung“ von der verbrecherischen Kriegführung trennen, deren Substanz sie doch waren. Erinnert sei an Proteste gegen die Wehrmachtsausstellung, die aus der Truppe kamen. Und gerade erst, zum 8. Mai 2005, riefen zwölf Bundeswehrgenerale a.D. „Gegen das Vergessen“ auf – mit einem Text, in dem die „Niederlage unserer Wehrmacht“ und die angeblich „grausame Abrechnung der Sieger“ beklagt wird, unterzeichnet nicht nur von in der Wehrmacht sozialisierten Ewiggestrigen, sondern u.a. von Ex-Brigadegeneral Reinhard Günzel, geboren 1944, Eintritt in die Bundeswehr 1963. Günzels Äußerungen, mit denen er z.B. 1995 von seiner Truppe Disziplin wie „bei der Waffen-SS“ gefordert hatte, blieben folgenlos; erst als er sich mit antisemitischen Äußerungen Martin Hohmanns solidarisierte, wurde er in den vorzeitigen Ruhestand versetzt.

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