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Nummer: 12/2005

AutorIn: Ulrike Gramann

eMail: info@kampagne.de
Datum: 21.10.2005

50 Jahre Bundeswehr: Schule der Gewalt


Wie sehen die Männer aus, die für die Bundeswehr "an jede(m) denkbaren Ort der Erde" intervenieren sollen? Die Antwort gab 2004 Hans-Otto Budde, Inspekteur des Heeres: "Wir brauchen den archaischen Kämpfer und den, der den High-Tech-Krieg führen kann."

"Archaische Kämpfer" zu sein, übten Soldaten des Gebirgsjägerbataillons 571 Schneeberg in vorauseilendem Gehorsam schon 1997, als sie auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg Gewaltakte darstellten und sie auf Video aufnahmen: Vergewaltigungen, Folter, Erschießungen. Die militärische Sozialisation hatte bei ihnen so gut gegriffen, dass sie auch ohne Befehl noch Krieg spielten.

"Einsatz" bedeutet Krieg. Gespräche mit Soldaten zeigen, dass die Bundeswehr im Zuge ihrer Umstrukturierung zur Interventionsarmee die Ausbildungsmethoden auf die Ziele der Einsätze abstimmt. 2004 wurden folterähnliche Ausbildungsmethoden öffentlich, die in einer Einheit in Coesfeld geübt wurden: Soldaten wurden beim Training von Geisel- und Gefangennahmen u.a. geschlagen, mit Stromstößen gequält und in entwürdigender Weise behandelt. Das als "Überreaktion" zu interpretieren, wie der ehemalige Heeresgeneral Franz Lanz es tat, ist irreführend. Das Militär als Organisation von Gewaltspezialisten bringt gewaltförmige Verhaltensweisen bei Ausbildern und Auszubildenden systematisch hervor. Militärische Fähigkeiten werden ohnehin unter Bedingungen eingeschränkter Grundrechte einer starken Reglementierung und gewollten Entindividualisierung der Rekruten erlernt. Wie lässt sich dann ein "einsatznahes" Training mit der Achtung der Grundrechte von Soldaten und ZivilistInnen vereinbaren?

Wenn, wie Heeresinspekteur Budde entschuldigend vermerkte, Ausbilder die Grenze "zwischen erforderlicher Härte in der Ausbildung und Verletzung der Menschenwürde" nicht kennen, so liegt das nicht an mangelnder Reife Einzelner, sondern an politischen Entscheidungen. Wer Kriegseinsätze der Bundeswehr im Ausland will, kann auf ein Leitbild des Soldaten, das von "männlicher" Härte geprägt ist, nicht verzichten. Wer Menschen lehrt, auf Befehl zu töten und den eigenen Tod in Kauf zu nehmen, bejaht damit auch ein Klima der Gewalt.

Die Praxis sah bereits im Juni 1999 so aus: Beim Einmarsch deutscher Truppen in das Kosovo erteilte in Prizren ein Bundeswehrsoldat den Befehl, auf Menschen zu schießen. Ein ziviler PKW, gesteuert von Betrunkenen, fuhr in Schlangenlinien auf einen deutschen Posten zu, der Beifahrer soll in die Luft geschossen haben. Nach einem Warnschuss wurde im PKW der Rückwärtsgang eingelegt, dennoch erteilte der Leutnant den Befehl: "Auf erkannten Feind Feuer frei!" Die zwei Betrunkenen starben im Kugelhagel von 220 Schüssen, abgegeben von einem gepanzerten Fahrzeug aus. Wohlwollend könnte man diese Reaktion in Wild-West-Manier als verhängnisvollen Irrtum interpretieren. Nicht so die Bundeswehr. Der Befehlsgeber erhielt ein Jahr danach wegen "beispielhafter Erfüllung der Soldatenpflicht" die höchste Auszeichnung der Bundeswehr, das Ehrenkreuz in Gold.



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