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PRESSEINFO

Nummer: 05/06

AutorIn: Ralf Siemens

eMail: info@kampagne.de
Datum: 07.07.2006

Tarnen, Täuschen, Tricksen
5.000 Plätze mehr sind 10.000 Einberufungen weniger


Verteidigungsminister Jung hat in einem Interview in der Rheinischen Post angekündigt, dass er, um der „Einberufungs-Gerechtigkeit“ nachzukommen, „die Zahl der Stellen für Grundwehrdienstleistende um 5.000 auf 35.000 erhöht“ hat. Er könne aus „eigener Erfahrung“ sagen, dass ihm der Wehrdienst „auch persönlich sehr gut getan hat für (seine) weitere persönliche Entwicklung.“

Wir wissen nicht, welche persönliche Entwicklung Jung ohne Wehrdienst genommen hätte. Zum Handwerkszeug des Soldaten gehören die Fähigkeiten Tarnen, Täuschen und Tricksen - offensichtlich auch hilfreiche Fähigkeiten für eine politische Karriere.

Jung täuscht die Öffentlichkeit, weil lediglich der geplante Abbau von Wehrdienststellen gestoppt wird. Im Jahr 2005 hatten noch 57.000 Wehrpflichtige den neunmonatigen Grundwehrdienst anzutreten. Auf 35.000 Plätzen können etwa 47.000 Wehrpflichtige einberufen werden. Ein Minus von 10.000 Einberufungen.

Jung trickst, da er nicht von Wehrgerechtigkeit, sondern von „Einberufungs-Gerechtigkeit“ spricht. Wenn von über 400.000 jungen Männern, die jedes Jahr in die Wehrpflicht hineinwachsen, lediglich ein kleiner Teil Grundwehrdienst leistet, dann ist die „allgemeine Wehrpflicht“ nicht allgemein. Ob 10.000 mehr oder weniger Einberufungen, ist statistisch zu vernachlässigen. Um hohe Einberufungsquoten vorzutäuschen, ist die Anzahl derer, die für eine Einberufung zur Verfügung stehen, trickreich halbiert worden (durch Ausmusterungen, weitreichende gesetzliche Freistellungsregelungen und dadurch, dass Zehntausende erst gar nicht zur Musterung aufgefordert werden). Und von diesem Rest können, so Jung, „nahezu 80 Prozent“ der Einberufbaren auch einberufen werden. Ist der Maßstab allerdings die Jahrgangsstärke, dann liegt die Einberufungsquote bei etwa 12 Prozent!

Wer weiterhin von Wehrpflichtarmee Bundeswehr spricht, tarnt die Realität der Freiwilligenarmee Bundeswehr. 35.000 Plätze für Grundwehrdienstleistende, 220.000 für Freiwillige. Nicht einmal jeder sechste Soldat der Bundeswehr ist formal kein Freiwilliger. Dabei ist die geringe Anzahl der Einberufungen dafür verantwortlich, dass ein erheblicher Teil der Wehrpflichtigen sich auch freiwillig einberufen lässt. Die Freiwilligenarmee Bundeswehr ist längst Wirklichkeit.

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