Einladung zur Ehrung für Deserteure, Kriegsdienstverweigerer und Kriegsverräter am 20. Juli Zur Erinnerung an Deserteure, Kriegsdienstverweigerer, Wehrkraftzersetzer und Kriegsverräter im Nationalsozialismus, legt die Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär in der Gedenkstätte deutscher Widerstand einen Kranz nieder. Gemeinsam mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste gedenken wir damit der Menschen, die sich der Teilnahme an Verbrechen der Wehrmacht entzogen und dem Morden widersetzt haben. Die Gedenkreden halten:
Dr. Franz von Hammerstein (Aktion Sühnezeichen Friedensdienste) Ludwig Baumann (Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz)
Wir laden Sie ein, an der Kranzniederlegung teilzunehmen:
am 20. Juli 2006 um 13 Uhr im Ehrenhof der Gedenkstätte Deutscher Widerstand Stauffenbergstr. 13-14
Deserteure, Kriegsdienstverweigerer, "Wehrkraftzersetzer" und "Kriegsverräter" haben im offiziellen Gedenken der Bundesrepublik Deutschland kaum einen Platz.
Wehrmachtsdeserteure wurden erst im Jahr 2002 nach jahrzehntelangem Kampf juristisch rehabilitiert. Die Aufhebung der Unrechtsurteile, die die NS-Militärjustiz wegen Kriegsverrats verhängte, wird durch die politisch Verantwortlichen nach wie vor beharrlich verhindert. Der Vorwand: Durch Kriegsverrat hätten Zivilpersonen oder deutsche Soldaten (!) ums Leben kommen können. Die Wahrheit: Kriegsverrat begingen Menschen, die Angriffspläne an die Alliierten weitergaben, versuchten, internationale Organisationen über Verbrechen in den besetzten Ländern zu informieren, die überliefen oder Juden und anderen Verfolgten halfen. Weil das NS-Regime jede Form von Ungehorsam gegen das Militär und den Krieg fürchtete, traf alle, die sich gegen den Vernichtungskrieg der Wehrmacht stellten, der juristische Terror der Militärjustiz. Mehrere zehntausend Urteile gegen "Wehrkraftzersetzer", Deserteure und Kriegsdienstverweigerer wurden verhängt, über 20.000 Todesurteile vollstreckt. Hätten mehr Zivilpersonen und Militärangehörige den verbrecherischen Krieg verraten, hätten viele Menschenleben gerettet werden können. Wir wenden uns gegen eine Gedenkpolitik, die einseitig den Putschversuch des 20. Juli 1944 und die militärische Opposition in der Wehrmacht würdigt. Nur ausnahmsweise sind Generäle aus Protest gegen Hitler frühzeitig zurückgetreten. Die späteren "Männer des 20. Juli" haben ihre militärischen Karrieren in der Wehrmacht fortgesetzt und gehorsam gedient. Mindestens ein Teil von ihnen war in Wehrmachtsverbrechen verstrickt. Ist ihr Gehorsam bis 1944 historisch und politisch gerechtfertigt? Wird er durch ihren späteren hohen persönlichen Einsatz ungeschehen? Der verbrecherische Charakter des NS-Staats trat bereits 1933, als die meisten von ihnen den Nationalsozialismus begrüßten, und nicht erst 1944 offen zu Tage. Dass selbst hohe Militärs, die angesichts der sicheren Niederlage versuchten, durch einen Umsturz die bedingungslose Kapitulation abzuwenden, scheiterten, macht sie so geeignet als tragische Identifikationsfiguren der deutschen Erinnerung. Denn das entlastet alle, die sich sonst fragen müssten: Und was hast du, was haben deine Vorfahren getan? |